Mit Gott im Gespräch  

 

Mit Gott im Gespräch bleiben. Sie werden mir zustimmen, das ist der Dreh- und Angelpunkt eines Gläubigen. Schon unter Menschen ist eine Beziehung ohne Gespräch oder irgendeine Art von Kommunikation nicht vorstellbar. Aber wie bleiben wir mit Gott im Gespräch? Was können wir sagen? Ich bin überzeugt, das Erntedankfest ist ein hervorragender Anlass, Gott gegenüber unseren Dank auszusprechen. Auch wenn wir die meisten Lebensmittel heute fertig abgepackt einkaufen, so bleibt doch die Vielfalt der Gaben und der Reichtum, den die Erde hervorbringt, ein wirklicher Grund zu danken.

Danke zu sagen, das ist doch ein wunderbarer Gesprächseinstieg.

In gewisser Weise ist das Erntedankfest eine Anleitung, jedes Gebet mit einem Dank zu beginnen. Denn die Gotteserfahrung beginnt damit, dass wir sehen was uns geschenkt ist und nicht mit dem, was uns fehlt.

Erntedank führt uns die irdischen Gaben vor Augen. Allerheiligen als Erntedankfest der Kirche erinnert uns daran, dass wir durch die Taufe die Gabe des Heiligen Geistes empfangen haben. Deshalb gehören wir zur Gemeinschaft der Heiligen, die wir im Glauben bekennen. Auch dafür dürfen wir danken.

Öffnen wir also das ganze Jahr über unsere Augen für alles, wofür es zu danken gilt. Ich glaube, dann klingt in einem vernehmlichen „Amen“ beim Empfang der heiligen Kommunion und neben dem Glaubensbekenntnis "Ja, ich glaube" auch der Dank mit: "Ja, ich danke dir Herr, dass du zu mir kommst und bei mir zu Gast sein willst."    

In diesem Sinne wünsche ich allen gute Gespräche.     

           

Mit den Menschen im Gespräch 

 

Viele sagen: "Beten als Gespräch mit Gott ist ja gut und schön, aber wie bekomme ich eine Antwort?" Tatsächlich erleben auch Christen das Schweigen Gottes. Gott ist immer frei ob und in welcher Art er antwortet. Aber wir können immer wieder den Raum schaffen in dem wir bereit sind zu hören. Das Rosenkranzgebet ist dafür ein Beispiel. Es mag paradox klingen, aber dieses Gebet mit den vielen Worten schafft Raum zum Hören.

Die Wiederholungen des "Gegrüßet seist du Maria" erzeugen einen Gleichklang des Atems und der Puls beruhigt sich. Das ist sogar messbar. Das ist der Raum, in dessen Mitte das jeweilige Geheimnis steht. Und wenn wir im Gleichklang des Atems dieses Geheimnis wiederholen, dann kann ER in unserem Inneren ein Gefühl dafür aufsteigen lassen, was dieses Geheimnis für uns selbst bedeutet.

Wer zum Beispiel das Geheimnis meditiert: "Den du o Jungfrau zu Elisabeth getragen hast", in dessen Herzen kann die Frage auftauchen: Zu wem trage ich Jesus in meinem Inneren? Oder zu wem möchte ich ihn tragen? Und schon ist er im Gespräch mit uns.

In diesem Sinn wünsche ich einen fruchtbaren Rosenkranzmonat.                          

     
                 

Georg Goeres, Pfr.